Das Zofen-Lamento

Hamburger Schauspielschultreffen iact schauspielschule für film und theater

Die Vorstellung findet auf der Foyerbühne im Café Oelsner statt.

„Es ist leicht gütig zu sein, wenn man schön ist und reich. Freundlich und sanft… Aber gütig sein als Dienstmädchen… Man begnügt sich beim Zimmer aufräumen Theater zu spielen.“

„Können wir das Spiel überhaupt fortsetzen? Und was,  wenn ich niemanden mehr anspucken kann, der mich Claire nennt?“

Claire! Solange! Solange? Claire? Anspucken und Schlagen ist zärtlich und erniedrigend zugleich, aber gilt das auch für Mord?
Im ritualisierten Spiel der Zofen dreht sich alles um Liebe und Hass, erniedrigen und erniedrigt werden. Die Gnädige Frau dient sowohl als Objekt der Begierde, heilige Reliquie und Projektion des Hasses auf sich selbst und auf einander.
Im besetzten Paris 1943 entstand die erste Version der «Zofen» von Jean Genet. Ein Psychodrama, das die Wunden seiner Entstehungszeit widerspiegelt und Genets Universum skizziert.

Zwischen 1939 und 1943 verbrachte Genet wegen verschiedener Delikte, vor allem Diebstahl,  Jahre in Gefängnissen, und diese Zeit wäre noch länger gewesen, hätte sich nicht Jean Cocteau für ihn eingesetzt. Bei einem Gerichtsprozess gegen Genet 1943 sprach Jean Cocteau für Genet und bezeichnete ihn als einen Dichter, der Arthur Rimbaud ebenbürtig sei.

Die aktuelle Inszenierung «Das Zofen-Lamento» widmet sich der Frage: was passiert mit «Menschen in finsteren Zeiten»? Was passiert mit «Menschlichkeit in finsteren Zeiten»? Damals und heute, während der aktuellen Kriege und Auseinandersetzungen in Europa, Nahen Osten und in der ganzen Welt.

Im selben Jahr 1943 wurde auch der Roman von Hermann Hesse «Das Glasperlenspiel» veröffentlicht, der für unsere Inszenierung einen besonderen Impuls gab. Die Menschen brauchen in finsteren Zeiten Trost, Hoffnung und einen neuen Sinn für ihre in Bedrohung geratene Existenz.  Die  «Glasperlenspiele»  – die Kunst, das geschriebene Wort, das Schauspiel und das Spielen – trösteten, inspirierten und ermutigten gestern Jean Genet und Hermann Hesse, heute schenken sie auch unserem generationsübergreifenden Ensemble Mut und Hoffnung!

Vorstellung am 01. Juli 2024

Ein Theaterprojekt von Evgeni Mestetschkin und Julia Solovieva
Mit Anke Bautzmann, Eveline Burgdorf, Danja Emmanuel, Lysander Hildebrandt, Anja Jarray, Svenja Perbandt, Paul Smollich und Gitta Luckau